Ich heiße Michael, bin 20 Jahre alt und mache derzeit meine Ausbildung zum Immobilienkaufmann in Hamburg. Mein Praktikum durfte ich in den vergangenen acht Wochen bei der Firma Coro Realty Advisors in Atlanta absolvieren, einem Unternehmen, das sich ganz auf Investments in Immobilien spezialisiert hat und nicht wie ein klassisches Maklerbüro funktioniert.
Coro ist stark fokussiert auf die strategische Entwicklung und Vermarktung von Immobilienprojekten, mit einem klaren Fokus auf den Mehrwert für Investoren wie unter anderem auch der Joachim Herz Stiftung. Der Alltag im Büro war vielseitig und oft überraschend genau das, was ich mir von einem Auslandspraktikum erhofft hatte. Mein Supervisor und alle anderen Kollegen waren immer freundlich und haben mir alle Fragen beantwortet.
Gleich zu Beginn meines Aufenthalts durfte ich einige Grundstücke besichtigen, die typisch für den US-Immobilienmarkt sind: sogenannte Retail Properties mit einem großen Supermarkt oder Discounter als „Ankermieter“ und einer Ansammlung kleinerer Läden außen herum vom Frisör über die Sandwich-Kette bis zum Tierbedarf. Diese Art von Flächen ist in den USA weit verbreitet, stark nachgefragt und spannend aus Investorensicht, vor allem wenn Standort, Frequenz und Bevölkerungsstruktur stimmen, was in der Metropolregion defentitv der Fall ist.
Ein echtes Highlight war der Besuch des Roosevelt im Stadtteil Cabbagetown, in welchem ich auch Privat noch viel Zeit verbracht habe. Dabei handelt es sich um ein historisches Gebäude, das früher eine Mädchenschule war und nun aufwändig zu modernen Apartments umgebaut wurde. Die imposante Backsteinfassade und das alte Treppenhaus wurden erhalten, während die Innenräume komplett neu strukturiert und hochwertig ausgestattet wurden. Nun leben dort vorwiegend junge Menschen, die im künstlerischen Bereich unterwegs sind.

Marktanalysen für Atlanta und Charlotte – Mein „Market Snapshot“
Ein Kernprojekt meiner Arbeit bei Coro war die Erstellung eines umfassenden Market Snapshots, zusammen mit einem Kollegen aus dem Investment Team, für die Metropolregionen Atlanta und Charlotte, der sowohl firmenintern als auch an Investoren weitergegeben wurde. In dieser Analyse habe ich mich mit den Entwicklungen in verschiedenen Asset-Klassen befasst: Retail, Residential, Office, Industrial und Self Storage. Ich habe dabei untersucht, wie sich Angebot, Nachfrage und Renditeaussichten in den letzten Monaten verändert haben.
Zusätzlich durfte ich bei der Aktualisierung unserer Standortdaten mitarbeiten – darunter wichtige demografische Kennzahlen wie Medianalter, Durchschnittseinkommen und Bevölkerungsstruktur im Umkreis von 1, 3 und 5 Meilen rund um die Objekte von Coro. Diese Daten sind für Standortbewertungen essenziell und werden von Investoren sehr genau analysiert. Diese Aufgabe hat mir viel Spaß bereitet weil ich wusste, dass diese Daten am Ende auf der Website der Firma für alle einzusehen sind.

Was Coro Realty Advisors besonders macht, ist der konsequente Fokus auf Immobilien als Investment, hier wird nicht einfach verkauft oder verwaltet, sondern entwickelt, geplant und gezielt investiert. Das hat meinen Blick auf die Branche noch einmal deutlich erweitert.
Freizeit, Fußball und Flohmarktfunde von Atlanta bis New York City
Neben der Arbeit blieb am Wochenende natürlich auch Zeit, um Atlanta und Umgebung besser kennenzulernen. Besonders schön war, dass viele der Firmen, bei denen wir unsere Praktika gemacht haben, Aktivitäten für uns Interns organisiert haben. So waren wir beispielsweise gemeinsam beim Baseballspiel – was ehrlich gesagt nicht gerade mein neuer Lieblingssport geworden ist. Deutlich spannender war unser Besuch im Georgia Aquarium und bei einem Spiel von Atlanta United, dem Fußballverein. Die Stimmung im Stadion war zwar solide, aber im Vergleich zu deutschen Verhältnissen doch eher enttäuschend. Trotzdem war es spannend zu sehen, wie Fußball hier inszeniert wird.

Ein echtes Highlight meines Aufenthalts war aber unsere viertägige Reise nach New York City. Die Stadt war genauso beeindruckend, laut und lebendig, wie man es sich vorstellt. Neben den klassischen Sehenswürdigkeiten wie dem Times Square, dem Central Park und der Brooklyn Bridge, haben wir auch einen ausgedehnten Flohmarktbesuch gemacht, bei dem wir gezielt nach alten Vinyls und CDs gestöbert haben.
Ein ganz besonderer Moment war mein Besuch in der East River Bar in Brooklyn, in der sich regelmäßig der FC St. Pauli Fanclub New York trifft, um gemeinsam die Spiele zu schauen. Als Hamburger war das natürlich ein echtes Heimspiel für mich. Ich kam dort mit dem Organisator ins Gespräch, erzählte ihm von meinem Praktikumprogramm und wurde direkt weitervernetzt: Er stellte mir den Kontakt zu einem Sankt Pauli Fanclub in Atlanta her.
Wenig später saß ich also auch in Cabbagetown, einem Stadtteil mit alternativem Charme, in einer Bar mit anderen St. Pauli Fans und schaute die nächsten Spiele. Der Stil des Viertels, die Kneipe, das Publikum – alles passte irgendwie perfekt zum Verein. Es war ein überraschender, aber richtig schöner Moment, mitten in den Südstaaten auf eine so vertraute Fußballkultur zu stoßen.
Die Zeit in den USA war auf jeden Fall bereichernd, beruflich wie privat. Ich nehme viele wertvolle Eindrücke mit und bin dankbar für all die Begegnungen. Vor allem freue ich mich darauf, einige der Leute aus Atlanta vielleicht schon bald in Deutschland wiederzusehen.




















