Es ist Mittwoch meine Freunde!

Das Treffen geht in die dritte Runde und fängt aufheiternd mit einem kleinen Quiz über Atlanta an. Dafür kamen unsere Souvenire aus Georgia im Einsatz, um genau zu sein die Baseball Caps der KSU.

Screenshot Rapid Fire Questions

Nach dem kleinen Energizer zu Beginn, haben wir über die vergangene Woche gesprochen und dessen Erfolge. Und prompt wurde das erste Thema gekonnt eingeleitet, mit Hilfe von optischen Täuschungen, welche wir deuten sollten. Noch dazu bekamen wir die kleine Aufgabe ein Haus zu malen, welches jeder Teilnehmer anderes dargestellt hat. Ich merkte schnell, dass jeder Teilnehmer die Illusionen anders wahrgenommen hat und eine völlig andere Perspektive hatte. Und genau darum geht’s. Changing Perspectives.

Eines der Bilder aus dem Meeting. Was siehst du hier?

Jede Kultur, jedes Land hat eine andere Wahrnehmung. Meist wird die eigene Perspektive bzw. die eigene Wahrnehmung als die Richtige angesehen, was nicht ganz korrekt ist.

Um den Perspektivwechsel besser zu verstehen, sprachen wir über das bekannte TED Interview „The danger of a single story“ von der nigerianischen Schriftstellerin, Chimamanda Adichie. Sie sprach von Menschen, welche ihr die Augen öffneten. Menschen die ihr eine andere Perspektive geboten haben. Vor allem sprach sie über afrikanische Autoren, welche ihr gezeigt haben, dass nicht immer alles nach einem Bild läuft.

„It saved me from having a single story of what books are. “

Um das Thema zu vollenden, haben wir in kleinen Gruppen über unsere eigenen Erfahrungen in Bezug auf Perspektivwechsel gesprochen. Ich fand es sehr spannend, dass auch hier unterschiedliche Geschichten erzählt und die Frage auch persönliche Züge beinhaltet hat.

Besonders spannend wurde es, als wir uns über die Unterschiede der amerikanischen Kultur und der deutschen Kultur angeguckt haben. Hier wurde wieder deutlich, wie stark die Wertvorstellungen voneinander gehen und welche Auswirkungen dies im zwischenmenschlichen Umgang haben kann. Zum Beispiel pflegen Amerikaner lieber eine diplomatische unkomplizierte Unterhaltung, während in Deutschland der Fokus auf Direktheit und Pragmatismus gelegt wird. Auch andere ethnische Gruppen wurden verglichen und auch hier ist die Gewichtung anderes aufgeteilt. Daraus konnte ich lernen, dass man nicht nur in seiner Bubble verweilen soll, sondern auch Empathie und Verständnis zeigen soll, für Dinge, die einem nicht immer bekannt vorkommen.

Der zweite Part vom Perspektivenwechseln beginnt mit einer Aufteilung in kleine Gruppen. Wir sollen uns Gedanken machen, ob wir bereits Situationen erlebt haben, in dem wir einen Perspektivenwechsel erlebt haben oder vielleicht auch selber durchgeführt haben. Was haben wir dabei entdeckt, hat uns das möglicherweise in einer gewissen Art beeinflusst und wieso war das wichtig für unseren Werdegang? Hier haben wir auch wieder die aus dem ersten Meeting gelernte Art des Zuhörens (Story Circles) ausgeübt.

Folgend haben wir uns mit dem Aspekt des Small-Talks zwischen Deutschland und Amerika auseinandergesetzt. Es gibt dort so einige Unterschiede. Während die Deutschen i.d.R. nach Themen suchen die beide Gesprächspartner interessieren, sind Amerikaner eher auf der Suche nach „sicheren“ Gesprächsthemen, um nicht in zu große Diskussionen zu geraten. Bei den Deutschen ist es auch eher so, dass sie sich Objektiv unterhalten, auch wenn dieses auf Kosten des Gesprächsklimas  passieren würde. Während Amerikaner eben dieses Gesprächsklima und die zwischenmenschlichen Beziehungen in den Vordergrund stellen.

Als wir uns dann mit den kulturellen Werten von Deutschen und Amerikanern beschäftigt haben, ist uns aufgefallen, dass jeder Aspekt davon positiv oder auch negativ gesehen werden kann. Es liegt halt alles an dem Blickwinkel den man hat. Wenn man beispielsweise die deutsche Sachlichkeit betrachtet, dann sieht man, dass Zahlen-Daten-Fakten wichtiger sind als Emotionen und Intuition und dies zu einem professionelleren Ergebnis führt. Auf der Gegenseite kann dies aber als kalt und distanziert betrachtet werden. Auf der amerikanischen Seite z.B. gibt es den berühmten „American Dream“ in dem jeder nach Wohlstand und Geld strebt. Hier kann man auf der negativen Seite aufführen, dass dieser Gedanke zu materialistisch ist und von der Gier regiert wird.

Nach einem regen Austausch unserer Gruppe gehen wir zu unsere Gastsprecher über. Leider musste unser Gastsprecher aufgrund eines Notfalls absagen, es gibt jedoch im Internet ein aufgezeichnetes Interview von ihm, welches wir für unser Programm nutzen durften. Unser Gastsprecher ist John Fluker, der Präsident und CEO von Grenzebach, einem deutschen Unternehmen in Amerika. Er ist ein sehr interessanter Mensch mit einem sehr ungewöhnlichen Werdegang. Als Afro-Amerikaner, der südlich von Atlante geboren und aufgewachsen ist, besuchte er das Massachusetts Institute of Technology (MIT) und hat dort neben dem Studium Basketball gespielt. Nun arbeitet er in einem deutschen Unternehmen in Atlanta und lebt auch dort. Was aber viel mehr fasziniert hat, war seine Art zu sprechen und seine Gedanken. Er hat ein tiefe Stimme und eine ruhige Art zu sprechen, so wie man sie sich von einer Führungsperson vorstellt. Es wird auch darüber gesprochen, dass es für ihn nicht leicht gewesen sein muss, als Afro-Amerikaner an einer fast ausschließlich von weißen Amerikanern besuchten Universität zu studieren. Trotz der Schwierigkeiten, die sich ergeben haben, hat er klar herausgehoben, dass er diese Möglichkeit nur hat, da die Generationen vor ihm für ihre Rechte gekämpft haben.

Screenshot aus dem Video „Steady Leadership in Challenging Times: John Fluker with Grenzebach“ – YouTube

Wir wollen diesen Blog Beitrag mit einem Statement von John Fluker selbst beenden. Dieses Statemet benutzt John häufig in Gesprächsanfängen zu dem Thema und es zeigt, wie sehr sich der Staat, das Land, die Gesellschaft und die Welt verändert hat: „I am a black man who is the President and CEO of a German company located in the south

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Jetzt geht’s los!

Freitag, d. 17 September: Heute am Freitagabend startete endlich unser virtuelles Programm “Azubis in die USA”, auf das wir alle so warteten.

Ziel des Programms ist es, mehr über die Kultur, die Arbeitswelt und das Bildungssystem den USA zu lernen, unsere Englischkenntnisse zu vertiefen sowie neue Menschen kennenzulernen. Neben den 19 Azubis aus Deutschland besteht unsere Gruppe aus 10 amerikanischen Studenten, die an der Kennesaw State University (KSU) studieren und unsere „Peer Buddies“ sind. Das „Coole“  an einem virtuellen Programm wie diesem ist, dass jeder teilnehmen kann, egal wo man sich befindet. Man benötigt nur eine Internetverbindung.

Als Erstes lernten wir uns kennen und äußerten unsere Erwartungen an das Programm, danach besprachen wir den Ablauf und erhielten ein paar organisatorische Hinweise. Das Programm beläuft sich auf sechs Sessions mit tollen Gastsprechern/-innen aus den USA, zu unterschiedlichsten Themen. Mehr zu jedem Thema erfahren wir von unseren Peer Buddies in informellen Gesprächen zu zweit oder zu dritt. Cool, oder?

Nach einem lustigen Energizer und einer kurzen Pause trafen wir unseren ersten Speaker, Michael Theisen-Jones, Director Global Business Development der Metro Atlanta Chamber. Michael hielt einen unglaublich interessanten Vortrag über Atlanta und erzählte uns viele Fakten über die Stadt, die teilweise niemanden bekannt waren. Beeindruckt hat mich, dass viele unserer Lieblingsfilme und -serien, wie z. B. Avengers: Infinity War und Stranger Things, in Atlanta gefilmt wurden. Wir bombardierten Michael mit super vielen Fragen, um noch mehr über Atlanta herauszufinden und er nahm sich die Zeit jede einzelne detailliert zu beantworten. Damit machte er Atlanta noch interessanter für uns

Im Anschluss an den Vortrag sprachen wir über die bevorstehenden ToDo’s und verabschiedeten uns für heute. Der heutige Abend war gefüllt mit interessanten Informationen und jeder Menge Spaß. Wir freuen uns schon riesig darauf was uns morgen erwarten wird! 

Samstag, d. 18. September: An einem Samstagnachmittag, mit fremden Menschen, in einem Zoom-call zu “Raisin Toast“ tanzen?

Wir können das ab heute von unserer Liste abhaken! 

Heute fand die zweite Session zum Programm „Azubis in die USA“ statt. Nach dem interessanten Vortrag von Michael Theisen-Jones zum Kickoff des Programms, waren wir sehr gespannt was heute auf uns zukommt.

Wir begangen mit einem kleinen Rückblick zum ersten Tag. Anschließend hielt Dr.Sabine Smith, eine Deutsche Professorin der Kennesaw State University einen Vortrag zur demographischen Lage Atlantas in den USA. Mich hatte erstaunt, wie divers der Staat Georgia ist und wie groß die Unterschiede in den Städten und in den ländlichen Gemeinden sind. Von Bergen bis zu Sümpfen. Von latein-amerikanischen Gemeinden bis zu asiatischenNachbarschaften . Die Diversität innerhalb des Staates Georgia, hebt unter anderem den Fokus der heutigen Session hervor:

Konversationen haben Kultur.

Wir verglichen im Laufe der Session die amerikanische und deutsche Art Konversationen zu führen. Unteranderem lernten wir, dass die Amerikaner Bindungen eher wie Pfirsiche aufbauen, wohingegen die Deutschen eher einer Kokosnuss ähneln. Was das bedeutet? Lasst es mich etwas verständlicher machen:

Die Amerikaner führen zunächst gerne „small talk“ und sind sehr offen und eher gesprächig. Eine tiefgründige Freundschaft baut sich nur schwer auf. Dies ähnelt sehr dem Aufbau eines Pfirsichs, der außen weich ist und innen einen harten Kern hat. Die Deutschen sind eher wie eine Kokosnuss. Schon mal von dem Satz „Harte Schale, weicher Kern“ gehört? In der deutschen Kultur ist es üblich, dass wir erst sehr oberflächlich mit unseren Mitmenschen sind. Sobald wir eine Person besser kennen, zeigen wir unsere weiche Seite und zählen Freunde in vielen Fällen schon zur Familie.

Mittels der in 2020 von der UNESCO eingeführten Story Circles soll die friedliche Koexistenz von Menschen vereinfacht werden. Hierbei geht es darum, seinem Gegenüber zuzuhören und ohne eine Reaktion oder Wertung aussprechen zu lassen. In der deutschen Sprachkultur ist es oft der Fall, seine Gegenüber (wenn auch unabsichtlich) zu unterbrechen, um die Zustimmung zu dem Gesprächs-Thema zu verdeutlichen. Die Amerikaner hingegen handeln im Durchschnitt ähnlich wie bei den Story Circles. 

Zudem werden die Deutschen eher als direkt unhöflich und ehrlich beschrieben während die Amerikaner mit ihrer Art eher als indirekt, pragmatisch und individualistisch gesehen werden.

Insgesamt war es eine sehr erfolgreiche Session. Mit dem Wissen über die Unterschiede zwischen der amerikanischen und deutschen Gesprächskultur, fühle ich mich vorbereitet nächste Woche mit den Peer Buddies ins Gespräch zu kommen.

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