New York liegt uns zu Füßen

Hi! Ich bin Ben, 24 Jahre alt und komme aus Wiesen im Landkreis Aschaffenburg. Ich befinde mich aktuell im dritten Ausbildungsjahr zum Beruf des Schreiners und mache mein achtwöchiges Praktikum in einer kleinen Schreinerei Namens „Robert Kalka Custom Woodworking“ in Brooklyn.

Ich berichte euch heute von den Ereignissen von letztem Sonntag und wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

Mein Sonntag startete sehr entspannt mit einem kleinen Frühstück und Orangensaft. Ich bin zwar etwas zu spät aufgestanden, aber bis dahin war alles noch im Rahmen. Nach dem Frühstück noch entspannt ins Bad, wieder zurück ins Zimmer und Klamotten rausgesucht. Als Nils plötzlich aufwachte, auf sein Handy geschaut hat und sagte: „was schon so spät, wir müssen los!“. Er steht auf, schlüpft in seine Klamotten und geht zur Türe. „Beeil dich, ich warte unten mit den anderen.“, sagte er. Dass ich noch absolut im Entspannungsmodus war, störte ihn nicht – weg war er. Jetzt fängt auch bei mir der Stress an, ich hatte nämlich die Zeit nicht mehr im Blick. Also so schnell es, in meinem trägen Zustand, ging, zog ich mich an, Haare machen natürlich nicht vergessen – und schnell runter. Ich war 10 Minuten zu spät. Das haben mich die anderen auch wissen lassen, sie warteten nämlich alle nur auf mich. Also los gehts, wir müssen unseren Zug bekommen. Nach etwas Verspätung der U-Bahn kamen wir dann alle gestresst an der Grand Central Station an, an der uns Sandy auch schon erwartet hatte. Zusammen eilten wir dann zum Gleis, der Zug stand schon da. Also alle reingerannt und erstmal durchatmen – wir haben den Zug zum Glück nicht wegen mir verpasst.

Unsere anderthalbstündige Zugfahrt war sehr entspannt, für mich zumindest. Ich hab’ nämlich geschlafen und nicht so viel mitbekommen. Bei der Ankunft wurde ich freundlichst mit Gekicher aufgeweckt.

Wo wir angekommen sind, fragt ihr euch bestimmt. In Cold Spring, einer süßen Kleinstadt, etwa 90km nördlich von New York City.

Das erste an was ich gedacht habe, als wir aus dem Zug gestiegen sind war: Schön, endlich mal wieder Natur. Denn das erste was man sah war eine hügelige, von Wald bedeckte Herbstlandschaft.

Unser Vorhaben in Cold Spring war es, zu wandern. Um zu den Wanderwegen zu gelangen, mussten wir erst einmal eine gute halbe Stunde durch die Ortschaft laufen. Auf dem Weg sind uns die schönen amerikanischen Wohnhäuser aufgefallen, die zu großen Teilen sehr halloween-mäßig geschmückt waren.

Bei den Wanderwegen angekommen wurden wir gefragt, wie schwer unsere Wanderung denn werden soll, wir haben uns für den Anfang erst einmal für moderat entschieden und sind los gewandert. Nach etwa 20 Minuten sind wir auf eine Ruine gestoßen, die Ruine eines Anwesens, das in den 1950er Jahren abgebrannt ist. Auf dem Grundstück waren verschiedene Tafeln mit Informationen und Bildern. Das hat mal ganz schön ausgesehen. Auch der Blick, den man vom Anwesen hatte, war unschlagbar: Der Hudson River im Vordergrund und die hügelige Herbstlandschaft im Hintergrund, eingebettet in farbenfrohe Bäume.

Von dort aus ging es dann bergaufwärts, erst über Waldboden, dann über Wurzeln und Steine und zum Schluss liefen wir in einem trockenen Flussbett. Das war anstrengend, aber auch irgendwie sehr befriedigend, da das einzige was unsere Füße die letzten Wochen berührte Asphalt und Beton war.

Auf dem Weg nach oben ist unser Wille, die Spitze des „Bull Hill“ zu erreichen, immer größer geworden. Unser bisher moderater Wandertag, sollte von nun an steinig und schwer werden. Die Wege wurden steiler und steiniger, aber man sah durch die Baumspitzen auch immer mehr von der Landschaft, das hat motiviert. Irgendwann wurde der Wald lichter und ich meinte wir erreichen bald die Spitze des „Berges“, doch wir wurden enttäuscht, es ging noch weiter – viel weiter. Irgendwie hat der Aufstieg kein Ende genommen. Doch dann, nach ein paar Pausen und weiterem Aufstieg waren Miri und ich uns sicher: Das sind die letzten Meter. Wir sind vom Weg ab, auf eine Steinplatte gelaufen, die zu einem kleinen Vorsprung führte. Diesen sind wir elegant hochgestiegen und gelangten auf eine Art Felsen, ein 30 Meter langer und bestimmt 6 Meter hoher Felsen – die Spitze des Berges. Wir liefen die letzten Meter an die Spitze und drehten uns um. Wir haben es geschafft! Nun standen wir da, mit Atemberaubendem Ausblick auf 1420 Fuß bei bestem Wetter. Nach drei Stunden, 5 Kilometern und über 400 Höhenmetern lag uns New York zu Füßen.

Dort oben ist mir eines besonders aufgefallen: Es war still. Mir ist das die letzten Wochen gar nicht so sehr aufgefallen, dass es so laut ist. Ich meine, natürlich bilden Sirenen, Autos und U-Bahn schon eine gewisse Geräuschkulisse. Aber, dass es mich so sehr berührt wieder in Stille zu sein, hätte ich mir nicht vorstellen können. Das war ein sehr schöner Moment.

Nach einigen Fotoshootings, FaceTiming mit den Familien und Kraft sammeln brachen wir für den Abstieg auf. Wir sind aber nicht den selben Weg wieder hinunter gelaufen – das wäre ja langweilig. Wir haben uns nämlich für den viel steileren Pfad, auf der anderen Seite des Hügels, entschieden. Abgesehen davon, war der Abstieg um einiges ansehnlicher und wir hatten an vielen Stellen die Möglichkeit weitere Anblicke zu genießen. Nach weiteren anderthalb Stunden haben wir auch den Abstieg erfolgreich gemeistert. Vom Fuße des Hügels ging es dann wieder in Richtung Cold Spring.

Auf dem Weg dorthin haben wir uns ein Restaurant ausgesucht, denn wir hatten alle ordentlich Hunger – besonders Nils, denn er hatte außer dem Kaffee von vor der Zugfahrt noch überhaupt keine Nahrung zu sich genommen. Das Restaurant im alt-amerikanischen Landhausstil war sehr gemütlich und perfekt zum Entspannen. Ich hatte einen BBQ Burger mit Pommes.

Nach der Stärkung sind wir noch ein wenig in den Läden der kleinen Vorstadt bummeln gegangen. Gegen 18.15 Uhr ging dann unser Zug zurück nach New York.

Hier endet der Beitrag zu einem für mich sehr prägenden Tag auf dieser wundervollen Reise. Ich hoffe ihr konntet einen guten Einblick bekommen.

Die besten Grüße aus New York

Ben

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