Wie man ausgewählt wird

Oder: Fünf Entscheidungen bevor du an dem Programm teilnimmst.

In weniger als acht Tagen werde ich zusammen mit acht anderen  Teilnehmern nach New York fliegen. Wir sind die Auszubildenden, die für das diesjährige Austauschprogramm der Joachim Herz Stiftung ausgewählt wurden.

Im Moment befinden wir uns alle in den letzten Zügen der Vorbereitung. Jeder von uns ist  aufgeregt und nervös.

Es ist immer noch ziemlich unwirklich, dass ich das Glück habe, acht Wochen meiner Ausbildung im Ausland absolvieren zu dürfen. Ich möchte mir die Zeit nehmen, um zurück zublicken, wie wir, genauer gesagt ich, zu einer der wenigen Teilnehmer an diesem Programm geworden bin – und um nach vorne zu blicken, indem ich erzähle, wie auch du einer werden kannst. 

Für mich begann alles mit dem Flyer über das Programm der Joachim-Herz-Stiftung. Der Flyer wurde eines Tages in unserer Schule verteilt. Wahrscheinlich habe ich, wie die meisten anderen auch, kurz darauf geschaut und mit den Schultern gezuckt. 

Warum ich darauf zurückgekommen bin, fragst du dich? Wegen meiner Mitschülerin. Sie war eine der Wenigen, die sich das Flugblatt genauer angeschaut hatten. Und sie glaubte fest daran, dass es eine Chance für mich war, und vor allem, dass ich es schaffen könnte.

Sie hat die Frage in mir geweckt: „Warum versuchst du es nicht?“ Die erste Entscheidung, in diesem Sinne, erschien also als eine Frage. 

Vielleicht liegt die Antwort darin, dass wir uns vor den folgenden Entscheidungen fürchten, weil sie nicht in unserer Hand liegen.Die Angst ein NEIN zu hören.  Aber was ich gelernt habe, und wahrscheinlich auch alle anderen Teilnehmer, ist, dass man viel mehr Unterstützung bekommt, als erwartet.

In meinem Fall habe ich die Erlaubnis meiner Schule und meines Unternehmens erhalten, nachdem ich ihnen ihre Zuständigkeiten und die Gründe für meine Bewerbung erläutert hatte.

Ich bin mir bewusst, dass diese beiden Entscheidungen sehr stark von der individuellen Situation beeinflusst werden.Dennoch bin ich sicher, dass du eine Einigung mit deinem Arbeitgeber und deiner Schule erzielen kannst, solltest du dich bewerben.

Sobald du diese Hürde überwunden hast, kannst du deine Bewerbung für das Programm fertig stellen. Nach dem rechtzeitigen Einreichen beginnt das Warten auf die Einladung zu dem Vorstellungsgespräch in der Stiftung. Ich wurde ziemlich nervös und machte mir Sorgen. Das ist die vierte Entscheidung, und auch sie hatte die Form einer Frage, die ich mir gestellt habe: Werde ich es schaffen?

Ich habe es geschafft. Und nachdem sich die anfängliche Aufregung und die Freude über diese Nachricht gelegt hatte, steigt die Nervosität wieder, je näher man dem Vorstellungsgespräch kommt. Es gibt nichts, was daran etwas ändern könnte. Der einzige Rat, den ich dir geben möchte, ist: Sei du selbst und erinnere dich daran, dass du schon so weit gekommen bist. Ich meine es ernsthaft, du hast mindestens drei Leute, die hinter dir stehen. Du wirst es schaffen! Nur noch eine Entscheidung.

Die letzte Entscheidung. Wahrscheinlich die Beängstigendste. Diejenige, die zählt. Die, auf die du hoffst. Die Entscheidende. DIE EINE. 

Und während ich auf die endgültige Antwort wartete und meine Mailbox überprüfte, begann ich zu zweifeln, unsicher zu werden, sogar Angst zu bekommen. Es schien kein Ende zu haben, bis…

Bis zu dem Tag, an dem die Mail kam. Ich erinnere mich noch daran, dass ich bei der Arbeit war, als ich die Nachricht von meiner Mutter sah: „Du fliegst nach New York!“. Ich konnte den ganzen Tag über nicht aufhören zu lächeln. 

Ich könnte diesen Beitrag hier mit meinem Happy End beenden. Aber das werde ich nicht tun. Warum nicht? Weil mir beim Schreiben dieses Eintrags klar wurde, dass wir alle die falschen Prioritäten gesetzt haben. Auch wenn die letzte Entscheidung die wichtigste zu sein scheint, ist sie es nicht. Es war die allererste Entscheidung, die ich getroffen habe, welche sich als eine Frage darstellte, nachdem das Flugblatt in der Schule verteilt wurde.

Bild: aopsan / Freepik

Warum ist das so?

Lass mich erklären, wie ich zu dieser Einsicht gekommen bin. Weil alle Entscheidungen danach – die, welche ich getroffen habe, und die, welche die Stiftung getroffen hat – ohne die erste Entscheidung nicht existieren würden. Es braucht deinen Wunsch teilzunehmen.

Wenn du diesen ersten Schritt aus deiner Komfortzone nicht machst, gehst du nicht durch die Hürden der Bewerbung, des Interviews und des Wartens. 

Und ich möchte darauf hinweisen, dass dies die einzige Entscheidung ist, die vollständig von dir getroffen wird. Es ist die einzige Entscheidung, die dich dazu bringen wird, es noch einmal zu versuchen, wenn du nicht so viel Glück hast wie ich und irgendwo auf dem Weg ein „Nein“ hörst. Vielleicht musst du es dreimal versuchen, um ausgewählt zu werden, oder um die Zustimmung deines Arbeitgebers zu erhalten. 

Aber diese Entscheidung auf die Frage: „Warum versuchst du es nicht einfach?“ macht dich zu dem Auserwählten.

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