Life on Campus

„Wie lebt es sich eigentlich wirklich auf einem nordamerikanischen College?“ Diese Frage könnte man sich nach all den College-Filmen und Serien stellen, die mittlerweile existieren. Ein paar Antworten darauf konnten wir bereits nach nunmehr zwei Wochen am Ivany Campus des Nova Scotia Community College finden.

Am vergangenen Mittwoch stand für uns zunächst eine Besichtigung der Forschungslabore im NSCC für angewandte Wissenschaften an. Das bedeutete für mich einen entspannten Wecker um 6:30 Uhr, ein schnelles Frühstück mit meiner nun 10-köpfigen Gastfamilie und dann ab zum Bus, Richtung Downtown Waterfront.

Da ich in Halifax wohne, durfte ich bei wunderschönem Wetter die Fährfahrt zur Woodside in Dartmouth genießen. Einen so schönen Weg zur Schule hätte ich in Deutschland auch gerne gehabt. Die Sonnenstrahlen stärken meine Vorfreude auf den Tag.

Um 9:00 Uhr trafen wir uns mit Dr. Alain Joseph, dem Direktor der Applied Research Labs. Er konnte uns viele Informationen über die Einrichtung geben und führte uns zusammen mit seinem Team durch das Labor. In diesen Laboren werden praktische Lösungen für Probleme von externen Unternehmen jeglicher Art erforscht, wobei der Fokus auf erneuerbaren Energien, Umwelt & Landwirtschaft, Geomatik und neue Technologie liegt. Es gibt zwar ein festes Team in den Labs, jedoch werden für neue Projekte immer wieder Student*innen hinzugezogen, damit sie bereits Erfahrungen mit realen Projekten sammeln können.

Zum Beispiel haben Student*innen des NSCC einst begonnen, die Unterwasserforschung zu revolutionieren. Die Bedienung von ferngesteuerten U-Booten war bis dato nicht besonders einfach. Möchte man zum Beispiel Greifarme bedienen, ist man durch die zweidimensionale Darstellung auf dem Bildschirm etwas eingeschränkt, da die Tiefe nicht richtig dargestellt werden kann, was präzises Arbeiten erschwert. Nun haben sie einfach zwei Kameras am U-Boot installiert und mit einer VR-Brille verbunden. So kann die steuernde Person in allen Dimensionen Aufgaben unter Wasser erledigen.

Unsere Führung führte uns weiter auf das Dach des Campus. Dort erhielten wir Einblicke in einige kleine versteckte Funktionen des Gebäudes, wie zum Beispiel eine perforierte Wand zur Frischluftzufuhr und gleichzeitiger Energiegewinnung durch Solarenergie oder eine Grünfläche auf dem Dach zur Regenwasseraufnahme und als Habitat für verschiedene Lebewesen.

Weiter ging es nach einer kurzen Taxifahrt bei „The COVE – Centre for Ocean Ventures and Enterprises“, einer externen Einrichtung für angewandte Wissenschaften in der Wassertechnik, die aus dem NSCC und vielen Partnerschaften entstanden ist. Dort werden zum Beispiel autonome Boote entwickelt, um verschiedene Aufgaben zu erledigen, wie die Suche nach Walen, um sie besser schützen zu können.

Am Nachmittag teilten wir uns auf, wobei eine kleinere Gruppe den Kurs „Projektmanagement“ besuchte und sich mehr mit wirtschaftlichen Zusammenhängen beschäftigte, während wir in der anderen Gruppe über Materialwissenschaften lernten. Die Studentinnen mussten zunächst den Härtegrad von verschiedenen Proben ermitteln, die Proben dann durch Hitzebehandlung härten und den Wert erneut ermitteln. Danach ging es um die spezifische Wärmekapazität von Stoffen, die mit Hilfe eines kleinen Experiments ermittelt wurde. Währenddessen konnten wir uns gut mit den Studentinnen, die auch aus aller Welt kamen, austauschen und den ein oder anderen Tipp für lokale Maniküre erhaschen.

Wie ist denn nun das Leben auf dem Campus? Nach meinen bisherigen Erfahrungen kann man das College nur als „modern und zukunftsorientiert“ beschreiben. Der Unterricht ist fokussiert, aber oft locker. Die Menschen verstehen sich untereinander, es gibt Orte zum entspannten Lernen, Automaten für kostenloses Trinkwasser und immer wieder kleine Aktionen, um auf etwas aufmerksam zu machen.

Ich jedenfalls bin sehr überzeugt vom College und freue mich auch auf die noch kommenden 2 Wochen.

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