Moin, mein Name ist Benjamin Pautz und ich bin 19 Jahre alt. Zurzeit mache ich meine Ausbildung als Fachinformatiker in der Fachrichtung Systemintegration bei Studio Hamburg in Hamburg :-). Ich habe das Glück für 8 Wochen einen Teil meiner Ausbildung hier in den USA zu verbringen. Der Abschied von Freunden und Familie fiel wirklich sehr schwer und es schien eine wirklich lange Zeit zu werden. Doch jetzt sind schon 7 Wochen der Reise vorbei und es kommt mir vor, als wäre ich letzte Woche erst losgeflogen.
ZF Gainesville heißt die Gastfirma, die mich und 3 weitere Azubis aus Deutschland aufgenommen hat. Mit diesen 3 Azubis wohne ich gemeinsam in einem Haus, 10 Minuten von der Arbeit entfernt. ZF hat ihren Hauptstandort eigentlich in Friedrichshafen und bedeutet Zahnradfabrik Friedrichshafen, sie stellen die verschiedensten Größen von Achsen, Getrieben und alles, was man in Bereich der Nutzfahrzeugbranche noch so braucht, her. Da die Herstellung immer mehr digitalisiert wird, spielt die Informatik bzw. die Digitalisierung eine große Rolle und so bekomme ich viele spannende Eindrücke in eine andere Branche der Informationstechnik. Betreut werde ich in dieser Zeit von meinen Supervisor Jose Cisneros und seiner Kollegin Brooklyne Dunlap. Jose zeigt mir jeden möglichen Einblick in seine Arbeitsprozesse und hat mich bereits in der ersten Woche selbst Hand anlegen lassen. Wenn ich nicht gemeinsam mit ihm arbeite, arbeite ich mit seiner Kollegin Brooklyne. Bereits in der ersten Woche habe ich mein erstes eigenes Projekt bekommen, ich sollte eine Microsoft PowerApp entwickeln, ich habe im ersten Moment ein bisschen Angst bekommen, weil ich davor keine Erfahrung damit gemacht habe, diese Angst wurde aber schnell wieder genommen, weil ich hier wunderbare Unterstützung bekomme und ich keine Angst haben muss zu fragen.
Der Titel „Endspurt“ klingt zunächst einmal sehr traurig, was er zu einer Seite auch ist, andererseits hat der Titel zwei Bedeutungen. Zur einen Seite freut man sich nach so einer langen Zeit auf Freunde und Familie, allerdings geht eine wahrscheinlich schönste Zeit meines Lebens zu Ende und man verlässt wahrscheinlich für immer seine neuen Freunde und Bekanntschaften.
Das heißt aber nicht, dass die letzten beiden Wochen nicht spannend waren. Meine Woche startete mit den letzten Verbesserungen meines ersten Projektes, weil ich am Nachmittag ein Meeting mit Tammy (Supervisor für die Arbeitssicherheit) hatte. Ihr habe ich die App endgültig vorgestellt und zum Glück ein positives Feedback bekommen. Das heißt, ich kann nun endlich die Installation für die Mitarbeiter vorbereiten. Leichter gesagt als getan, leider brauchen alle Mitarbeiter Berechtigungen, doch das ist gar nicht so einfach wie man sich das vorstellt. Es heißt es sollen alle ca. 700 Mitarbeiter an den beiden Standorten die Rechte bekommen, also sind Jose und ich auf der Suche nach einer besseren Lösung, als jedem Mitarbeiter die Rechte einzeln zu vergeben, denn dafür müsste man ungünstigerweise für jeden Mitarbeiter die Rechte einzeln anfragen. Das würde allerdings Wochen dauern. Also war der nächste Lösungsansatz sich Hilfe von anderen Kollegen zu holen, sodass Jose jemanden aus dem Power Apps Team gefragt hat, von dem wir jedoch bisher keine Antwort erhalten haben. Nachdem das Projekt leider erstmal stillgelegt werden musste, habe ich mich anschließend um mein nächstes Projekt gekümmert. Dieses Projekt habe ich bereits ein paar Wochen vorher angefangen und immer mehr oder weniger parallel bearbeitet, auch hier war es wieder die Aufgabe eine App zu entwickeln. Diese App soll den Mitarbeitern in der Repack Area ihren Arbeitsalltag erleichtern, indem sie nicht mehr alles händisch in eine Excel Liste eintragen müssen, sondern man die Artikel in der App scannen kann und diese dann anschließend in eine Datenbank übertragen werden. Auch diese Aufgabe war sehr spannend, weil die App andere Funktionen enthält als meine erste App und ich so mein Wissen deutlich ausbreiten konnte. Pünktlich zum Wochenende konnte ich dann auch dieses Projekt abschließen und somit perfekt ins Wochenende starten. All diese Aufgaben erledige ich an meinem Arbeitsplatz, von welchem ihr im Anschluss ein kleines Bild sehen könnt.

Aber ist das wirklich alles, was man als Informatiker macht? Den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen? Natürlich nicht! Jetzt kommen wir zu den spannenden Aufgaben aus dem Werk, hier habe ich mich in der Zeit viel um die IT-Sicherheit gekümmert, so haben wir diese Woche auf allen PC´s in der Produktion eine App namens Event Viewer installiert, mit der man beobachten kann, wer wann welche Updates oder andere Sachen installiert und dann schnellstmöglich reagieren, sodass die Produktion nicht beeinflusst oder schlimmsten Falls gestoppt wird. Zudem haben wir uns um eine Maschine aus dem Jahr 1999 gekümmert, welche leider während der Produktion ausgefallen war. So haben wir mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet, um das Betriebssystem des PC´s wieder zum Laufen zu bringen. Nachdem wir den gesamten Vormittag versucht haben es zu reparieren haben wir es dann, nachdem Mittagessen geschafft, indem wir eine neue Festplatte mit einem neuen Betriebssystem eingebaut haben.
So, jetzt habe ich aber genug über die Arbeit erzählt, kommen wir nun zu dem Part, der nach der Arbeit stattfindet. Unter der Woche war unser Highlight wahrscheinlich das All you can eat Essen mit einer Arbeitskollegin in einem koreanischen Restaurant. Im ersten Moment war ich ein bisschen skeptisch, weil ich vorher nie zuvor Koreanisch gegessen habe. Im Nachhinein frage ich mich warum, es war superlecker und ich bin froh es ausprobiert zu haben. Das Ausprobieren ist ebenfalls eine bedeutsame Sache, die ich hier gelernt habe. Ich habe viel Neues ausprobiert und wurde nie enttäuscht. Eine Sache die ich definitiv beibehalten möchte.

Doch das Highlight der Woche war Memphis, unser letztes Wochenende stand vor der Tür und so fuhren wir direkt nach Arbeit los, um möglichst viel erleben zu können. Viele fragten uns, warum wir genau nach Memphis fahren, doch darauf wussten wir selber nicht so richtig die Antwort, sodass wir uns größtenteils überraschen lassen haben. Am ersten Tag ging es für uns ins Graceland von dem Berühmten Elvis Presley. Ich habe sehr gestaunt und war fasziniert, wie groß dieses Grundstück mit eigenen Flugzeugen doch war und mehr über seine Person zu lernen. Doch das war nicht das einzige Highlight in Memphis. Am Abend ging es für uns dann auf einem typischen Mississippi Dampfer mit einem echten Schaufelrad. Wir fuhren in den Sonnenuntergang und durften am Abend ein leckeres Essen auf dem Schiff genießen.

Aber natürlich war auch nicht immer alles perfekt und man denkt nach 7 Wochen auch mal an zu Hause, was meiner Meinung nach völlig normal und auch richtig ist. Doch da man von so vielen netten Menschen umgeben ist, hatte ich fast keine Gelegenheit Heimweh zu bekommen und wurde, falls der Gedanke kam, direkt wieder abgelenkt und war niemals allein.
Ich bin sehr froh und dankbar darüber, diese Chance bekommen zu haben und werde diese Zeit niemals wieder vergessen. Ich habe noch nie zuvor in so einem kurzen Zeitraum so viele neue Erfahrungen und neue nette Menschen kennengelernt und bin sehr traurig diese schon bald wieder verlassen zu müssen.

