Hi, ich bin Miriam, 22 Jahre alt und aktuell im dritten Jahr meiner Ausbildung als Fachkraft für Veranstaltungstechnik bei AMBION in Berlin. Hier in New York darf ich mein 2-monatiges Praktikum bei LDG (Lighting Design Group) verbringen, einer Lichtdesign Firma, welche TV- und Broadcaststudios wie abc news, CNN, Bloomberg, Nasdaq usw. hauptsächlich in Amerika, aber auch international designed und ausstattet.
Wie es dazu kam, dass ich mit „Good Morning, Meryl“ begrüßt wurde
Gleich an meinem ersten Tag wurde ich mit in die Studios von CNN genommen, wo ich damit willkommen gehießen wurde, ob ich mich denn nicht einmal auf die Bühne setzen kann, damit das Team die Positionen für das Interview am nächsten Tag weiter einleuchten und die Kameras einstellen kann. So habe ich herausgefunden, dass Meryl Streep zu einem Interview über Frauenrechte in Afghanistan mit Cristiane Amanpour und zwei afghanischen Frauenrechtsaktivistinnen vorbeikommen sollte. Den restlichen Tag über saß ich also größtenteils vor der Kamera und jeder Schatten in meinem Gesicht wurde genauestens analysiert.
Am nächsten Tag gingen die Proben weiter und ich wurde morgens schon mit den Worten „Hello Meryl, how are you? Could you please take a seat again in your chair?“ begrüßt, da am Tag zuvor herausgefunden wurde, dass ich genauso groß bin und auch eine sehr ähnliche Haarfarbe habe wie sie. Am Ende durfte ich das Interview direkt von hinter der Kamera aus beobachten, was meinen 2. Arbeitstag direkt zu etwas sehr besonderem gemacht hat.
Es war super interessant zu sehen, was für einen großen Unterschied es in der Beleuchtung macht, je nachdem welche Haut- und Haarfarbe die Person hat und wie penibel darauf geachtet wird, dass man ja keine falschen, zu viele und starke Schatten sieht oder auch, dass man in diesem Fall auf der einen Gesichtshälfte eine minimale grüne Reflexion von der LED-Wand gesehen hatte. Ich war sehr erstaunt davon, was dem Team dort alles so auffällt. Ich hatte diese angebliche grüne Reflexion nämlich überhaupt nicht wahrgenommen.
Eine Woche später durfte ich mit zu einem Fotoshooting, wo 50 Ballerinas in einem alten Warehouse fotografiert wurden. Wir haben ein paar Lampen aufgestellt und mithilfe eines Steigers Seidentücher in die Decke gehangen, um eine großflächige und gleichmäßige Reflexion von oben zu bekommen, da der Fotograf alle seine Fotos von oben schießen wollte. Dafür hatten wir uns schon im Vorhinein eine Konstruktion überlegt, wie wir seine Kamera am besten an dem Korb des Steigers befestigen wollen. Das hat auch alles super funktioniert und ich hab mich riesig gefreut, während des Shootings dabei sein und sehen zu können, wie so ein großes, professionelles Shooting abläuft und wie viel Arbeit, Personal und Hirnschmalz da so dahintersteckt.
Als wir dann fast fertig waren und gerade das vorletzte Seidentuch wieder mit dem Steiger aus der Decke holen wollten, wurde es jedoch erst so wirklich interessant. Während wir in unsere Arbeit in etwa sieben Metern Höhe vertieft waren, sahen wir auf einmal eine riesige Wolke, die begleitet von einem lauten „Puffff“ aus dem Steiger kam und auch direkt eine sehr große Pfütze Öl auf dem Boden hinterließ… Wir haben gezwungenermaßen sehr schnell rausgefunden, dass wohl am Hydraulikschlauch etwas kaputt sein muss, da wir bei jeder noch so kleinen Bewegung mit dem Korb einen kleinen Wasserfall ausgelöst haben. Wir steckten also erstmal da oben fest. Zum Glück war der Zuständige der Rental company des Steigers nicht weit entfernt, der unsere Vermutung bestätigt und uns nach langem Überlegen einfach, ohne Rücksicht auf das herrausspritzende Öl heruntergelassen hat. Wir waren dann zwar endlich wieder auf dem Boden, aber unser Material hing ja leider immer noch in der Decke. Wir durften also statt in 5 min fertig zu sein, noch 2,5h auf einen zweiten Steiger warten, um den Rest aus der Decke holen zu können. Um wieder zum Büro in Downtown zu kommen, mussten wir am Ende noch einen Uberfahrer bestechen, dass er uns mit all unserem Equipment wieder ins Büro zurückfährt. Um Kosten zu sparen wurde nämlich leider auf den Truck verzichtet.



Schlafarme Nächte und der Bagelfloor in den Bloomberg-Studios
In den letzten paar Wochen war ich jeden Donnerstags in den Bloomberg Studios, wo mein Arbeitstag immer schon um 4 Uhr morgens begann. Das sind zwar sehr unchristliche Arbeitszeiten, allerdings ist es auch irgendwie schön um 3:30 Uhr mit dem (von der Firma gezahlten Uber) morgens durch durch New York zu fahren und die Straßen so menschenleer und ruhig zu erleben wie sonst nie. Sobald ich bei Bloomberg ankommen bin wurden alle Lampen gecheckt, damit auch alles sicher funktioniert für die erste Show, die um 6 Uhr morgens beginnt. Die Showbetreuung hier ist leider etwas langweilig, da fast ausschließlich über Finanzen geredet wird und die Moderatoren ihren Stuhl sehr selten verlassen. Wenn man es jedoch schafft in der Dunkelheit nicht wieder einzuschlafen, wird man um 7 Uhr morgens damit belohnt sich bei Sonnenaufgang im 29. Stockwerk, dem „Bagel-floor“, einen Bagel mit frischgepresster Peanut-butter zu holen.


Election Coverage bei CNN
Meine Montage und Dienstage habe ich bei CNN verbracht, wo sich in den letzten 3 Wochen alles um die Wahl gedreht hat. Hier wurde penibel jede Position der Bühne und der LED-Wände geplant, eingeleuchtet, vermessen und dann doch noch 5 mal verändert. Hierbei durfte ich beim programmieren und einleuchten helfen, konnte LED-Tapes an den Moderatoren-Desks installieren und austauschen oder die Magic Sheets, die zeigen, welche Lampen für welche Person und Position verwendet werden aktualisieren und neu erstellen. Das Wichtigste war allerdings immer, dass man ja nicht den Eindruck erweckt, als hätte man nichts zu tun, dann wird man nämlich direkt damit belohnt, sich wieder mal an die Desks zu setzen, damit die Kameras eingestellt werden können.
Bevor sich alles um die Wahl gedreht hat, haben wir immer mal wieder Lampen für unterschiedliche Shows umgebaut oder umprogrammiert, kleine Maintenance-Aufgaben ausgeführt, die Shows betreut und vor allem viel Zeit gehabt um die Nachrichten zu verfolgen, die überall laufen. Ich hab mich darüber oft mit Mitarbeitenden unterhalten und alle meinten, dass es teilweise sehr schwer für die Psyche ist, immer von so vielen negativen Nachrichten umgeben zu sein und dem auch nicht entkommen zu können.
Wenn ich das alles nicht getan habe, bin ich oft mit dem Lift rumfahren um Hängepunkte zu erstellen und Lampen umzuhängen. Wir zwei wurden jedoch nie gute Freunde, da er sich bei jeder minimalen Bewegung am Joystick direkt mindestens 10cm bewegt hat, weswegen man für jede noch so kleine Adjustierung die man machen wollte, aus dem Rig runterfahren musste, die Position anpassen und dann wieder wieder hochfahren musste. Das hat meine Geduld leicht bis manchmal etwas mehr als leicht auf die Probe gestellt, da man sich millimetergenau durch das Rig quetschen musste um an die Decke zu kommen.




vom Personalbooking bis zur 3D- Planung
Mittwochs und Freitags war ich im Office. Hier habe ich den Mitarbeitenden meist bei ihren alltäglichen Aufgaben zugeschaut– vom Personalbooking, Paycheck, der Planung von Hotels bis hin zur Projektkoordination. Ich habe vor allem gesehen wie schwierig es manchmal sein kann die Wünsche des Kunden richtig zu interpretieren und Ihnen ihren Wunsch zu erfüllen, ohne dass man genaue Informationen oder Vorstellungen vorgegeben bekommt.
Auch konnte ich hier viel über Vektorworks lernen, einer Software zur Planung von Lichtinstallationen. Ich habe erklärt bekommen und zugeschaut wie Lichtpläne für verschiedene TV-Studios in den USA, Singapur, Abu Dhabi und Hong Kong erstellt und aktualisiert werden. Von einfachen 2D-Skizzen bis hin zu komplexen 3D-Modellen. Besonders cool fand ich es, wenn ich das jeweilige Studio/ Projekt zuerst noch in der Planung sehen konnte und dann am Ende auf der Produktion sein konnte und ich das Endergebnis live miterlebt habe.
Nach den ersten paar Wochen habe ich dann auch in Situationen, in denen ich nichts zu tun hatte, angefangen, ein Berliner Theater als 3D Modell nachzubauen und alle Lampen, Traversen, etc. einzufügen und zu patchen.

Wahlnacht bei 27 Grad und Weihnachtsbeleuchtung
Eine Produktion, bei welcher ich sowohl die Planung, als auch die Durchführung sehen konnte, war die Beleuchtung des Rockefeller Centres für die Election night. Hier wurde das Gebäude von etwa 100 Movinglights in blau, weiß und rot angeleuchtet. Das Verrückteste bei diesem Projekt war allerdings der Umstand, dass es am 5. November bei 27 Grad direkt neben einer Schlittschuhbahn und kleinen Hüttchen mit Weihnachtsbeleuchtung und Deko stattgefunden hat. Und auch, dass es ganz normal ist, dass niemand Sicherheitsschuhe oder Helme beim Abbau und Truck beladen trägt, hat mich sehr erstaunt.



Alles in allem genieße ich die Zeit hier in New York, in der Firma und mit den anderen Stipendiaten sehr und möchte gar nicht daran denken, dass wir in 10 Tagen schon wieder im Flieger nach Hause sitzen werden. Ich durfte hier mit tollen Menschen zusammenarbeiten, die mir immer jede Frage gerne beantwortet haben und ich mich mit Ihnen in beruflicher und privater Hinsicht über alles austauschen konnte. Auch wird es ungewohnt sein, bald nicht mehr von den Securitys, an welchen man in jedem Gebäude vorbei muss und mit denen man mittlerweile schon fast Freundschaften geschlossen hat, begrüßt zu werden. Sowie nicht mehr mit der Begrüßungsfloskel „Hey, how are you?“ empfangen zu werden, die manche mehr und manche weniger Ernst nehmen.
Ich werde es vermissen!

