Mitte September bin ich gemeinsam mit neun anderen Auszubildenden in New York gelandet, um ein achtwöchiges Praktikum anzutreten. Ich bin Kilian, 20 Jahre alt und Azubi bei der Manufaktur Soller als Metallbauer im Bereich Konstruktionstechnik. Ich befinde mich mittlerweile in meinem letzten Lehrjahr und habe durch ein Stipendium die Möglichkeit bekommen, für acht Wochen bei Brooklyn Custom Metal Fabrication beziehungsweise Wax-Rax zu arbeiten. Diese Gelegenheit bedeutete für mich eine einmalige Erfahrung, meine handwerklichen Fähigkeiten in einem internationalen Umfeld zu erweitern.
Mein hiesiger Chef, David, ist seit rund 35 Jahren in der Metallbranche tätig und bereits seit mehr als 20 Jahren selbstständig. Er führt zwei Firmen: Brooklyn Custom Metal Fabrication und Wax-Rax. Mit Brooklyn Custom stellt er hochwertige Möbel, Beschläge, Kunstprojekte und Prototypen her. Dabei kommen häufig edle Materialien wie Messing, Aluminium oder Bronze zum Einsatz. Mit Wax-Rax widmet er sich der Herstellung von hochwertigem Zubehör für Vinyl-Liebhaber – vom 45-Adapter über Schallplattenhalter bis hin zu Regalen, die bis zu 700 Schallplatten fassen können.
Nun, nach acht Wochen, ist meine Zeit in New York vorbei. Die Zusammenarbeit mit David war intensiv, lehrreich und ist wie im Flug vergangen.
Am ersten Tag starten wir entspannt: David führt mich durch die Werkstatt und stellt mich meinen beiden anderen Kollegen vor – zwei Katzen, die in der Werkstatt wohnen und für gute Laune sorgen. Wir besprechen die Ziele, die ich mir für mein Praktikum gesetzt habe, und die Projekte, die in den kommenden Wochen anstehen.
Eines meiner größeren Projekte ist die Produktion von drei RC-2-Schallplatten-Carts. Bei diesem Vorhaben durchlaufe ich alle Arbeitsschritte selbstständig. David erklärt mir im Voraus alles, was ich wissen muss, und sucht mit mir gemeinsam die benötigten Materialien aus. Ich lerne dabei nicht nur neue Fertigungstechniken, sondern auch den Umgang mit den besonderen Anforderungen eines Designs, das Funktion und Ästhetik vereint.
Zunächst schneide ich alle benötigten Einzelteile zu und entgrate sie sorgfältig vor der Weiterverarbeitung. Der nächste Schritt beinhaltet das Reinigen: Ich entferne die Zunderschicht sowie Ölrückstände, die vom Formen der Profile auf der Oberfläche verblieben sind. Nachdem alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, spanne ich das erste Cart auf dem Schweißtisch auf, um es zu heften. Ich verbinde die Einzelteile mit Schweißpunkten und wiederhole diesen Schritt für jedes der drei Carts. Danach folgt das vollständige Ausschweißen.
Anschließend schleife ich die Nähte ab, um eine homogene Oberfläche zu erzeugen. Vor dem Pulverbeschichten schweiße ich die Aufnahmen für die Füße an. Am nächsten Tag fahre ich gemeinsam mit David nach New Jersey, wo wir die Carts beim Lackierer abliefern. Nach gut einer Woche können wir sie abholen und ich helfe die Böden aus eloxiertem Aluminium zu montieren. Sobald das erledigt ist, machen wir das erste Cart versandfertig – alles wird so verpackt, dass nichts verrutschen oder verkratzen kann.
Dieses Projekt hat mir besonders gut gefallen, da ich die Möglichkeit hatte, den gesamten Prozess von der Planung bis zur finalen Auslieferung zu begleiten. So oder so ähnlich laufen eigentlich alle Projekte ab, die ich mit David bestreite. Ein weiteres Highlight war der Bau einer Klemmvorrichtung für die Fräse, die wir für die Produktion von Adaptern benötigten. Dabei war die größte Herausforderung die Kombination aus metrischen und imperialen Maßeinheiten. Nach einigen Berechnungen und Anpassungen habe ich auch diese Aufgabe gemeistert, was die Produktion der Adapter erheblich beschleunigt hat.
In den acht Wochen, die ich mit David zusammenarbeiten durfte, konnte ich mich sowohl fachlich als auch persönlich weiterentwickeln. Ich habe meine handwerklichen Fähigkeiten ausgebaut, da mir bei den Projekten viel Vertrauen und Eigenverantwortung entgegengebracht wurde. Zudem habe ich mein Fachenglisch verbessert und gelernt, wie man im direkten Umgang mit Kunden auftretet. Besonders beeindruckt hat mich, wie viel Wert David auf Qualität und Details legt – ein Anspruch, der mich nachhaltig inspiriert hat.
Die gemeinsame Zeit mit David und seiner Frau Helen wird mir immer in Erinnerung bleiben. Auch das Leben in New York – mit all seinen Eindrücken und Herausforderungen – hat mich geprägt. Wie es so schön heißt: Man sieht sich immer zweimal im Leben.










