Zwischen Naturgewalten und südländischer Kultur in den USA

Hallo, ich bin Anton, Auszubildender zum Bankkaufmann und meine Reise nach Tennessee war ein unvergessliches Abenteuer. Dank unseres Travel Weekends konnten wir ein paar Tage verreisen. Mein Mitbewohner Philipp und ich haben uns entschieden, die Smoky Mountains zu besuchen. Ich bin froh, dass Caitlin, eine unserer Mitschülerinnen, angeboten hat, mit uns zu fahren und uns zu begleiten. Aber niemand konnte sich vorstellen, auf welche Reise wir uns begeben würden.

Es war eine Herausforderung, die richtige Kleidung zu finden, denn ich hatte nicht für Temperaturen um die 7° C gepackt. Ich beschloss, meinen Windbreaker und ein Sweatshirt mitzunehmen. Für den Fall der Fälle nahm ich den KSU-Regenponcho mit, den wir kostenlos bekommen hatten. Caitlin hat ihre beste Freundin Lane eingeladen, mitzukommen. Also machten wir uns zu viert auf den Weg.

Das Abenteuer beginnt.

Die Fahrt war wegen des Verkehrs länger als erwartet. Zum Glück hatte Philipp die richtige Playlist für eine lange Fahrt und wir konnten einen kleinen Blick auf Pigeon Forge werfen. Wir fuhren um 6:30 Uhr los und kamen gegen 10:15 Uhr bei der Touristeninformation der Smoky Mountains an. Der Parkranger meinte, wir hätten uns das schlechteste Wochenende ausgesucht, weil es auf dem Gipfel der Berge geschneit habe. Er warnte uns sofort, dass wir umkehren sollten, wenn wir Eis sehen. Wir beschlossen, unseren geplanten Weg trotzdem zu wandern und fuhren zu unserem Ausgangspunkt, dem Alum Cave Trailhead.

Was mir als erstes auffiel, war die unglaubliche Vielfalt der Pflanzen. Der ganze Wald war mit Rhododendren bewachsen. Unser Ziel, der Berg Le Conte, schien aufgrund des perfekten Wanderwetters trotz der Warnung des Rangers möglich.

Auf halbem Weg

Nach zwei Stunden erreichten wir unser erstes Ziel: die Alum Cave. Obwohl der Name eine Höhle vermuten lässt, handelt es sich in Wirklichkeit um einen großen Felsüberhang, der Schatten spendet und eine einzigartige Aussicht bietet. Eine nette Frau machte einige Fotos von unserer Gruppe auf einer Baumstammbrücke. Als wir die ersten Anzeichen von Nebel sahen, wurde mir klar, warum sie Great Smoky Mountains genannt werden. An diesem Punkt sahen wir auch die ersten Schneereste von der Nacht und der erste Hagelschauer setzte ein.

Unerwartete Wendung

Je weiter wir gingen, desto schlechter wurde das Wetter, und wir beschlossen schließlich, wegen des Hagels umzukehren. Als wir den Weg zurückwanderten, ging der Hagel in Regen über, so dass ich meinen Regenponcho an Phil abgeben musste. Hooty Hoo🦉!

Als wir am Auto ankamen, waren wir alle durchnässt und wollten so schnell wie möglich unser AirBnB erreichen. Unser AirBnB, die „Sugar Bear Cabin“, war eine tolle Unterkunft.

Das Las Vegas von Tennessee

Pigeon Forge ist ein sehr verrückter Ort. Beim ersten Besuch, ist vermutlich jeder erst einmal sehr verwirrt. Man sieht ein riesiges Riesenrad, King Kong, der auf einen Wolkenkratzer klettert, ein auf dem Kopf stehendes Haus, die Titanic und viele andere Dinge ohne wirklichen Zusammenhang. Hier befindet sich auch Dollywood, ein Vergnügungspark in Zusammenarbeit mit Dolly Parton. Aber dieser Ort hat sich als eine wundervolle Erfahrung entpuppt.

Zuerst besuchten wir ein echtes amerikanisches Diner. Dort habe ich zum ersten Mal Fried Pickles probiert. Das ist ein klassisches Südstaatengericht. Normalerweise mag ich keine sauren Gurken, aber Fried Pickles sind eigentlich gar nicht so schlecht.

Danach sind wir zum Minigolfspielen gegangen. Es gab einen Außenkurs, was wirklich gut war, weil in Pigeon Forge der „Rod Run 2025“ stattfand. Es waren viele Oldtimer und Trucks unterwegs. Das Atmen fiel einem wegen der vielen Abgase etwas schwerer und es war auch extrem laut. Im Vergleich zu Deutschland sind die Beschränkungen für Fahrzeugumbauten hier sehr locker. Später am Abend erzählte uns ein örtlicher Angestellter, dass leider immer mehr junge Leute versuchen, den Rod Run mit ihren Trucks zu übernehmen. Früher war es einfach ein richtig cooles Autotreffen mit amerikanischen Oldtimern.

Am Samstag besuchten wir einige örtliche Geschäfte und spielten Riesenschach auf einem Einkaufsplatz. Danach entschieden wir uns für ein klassisches Südstaaten-BBQ. Wir mussten eine Stunde warten, weil es wegen des Rod Runs so voll war. Ich wollte wenigstens einmal in den USA Spareribs essen. Ich habe alle verschiedenen BBQ-Saucen probiert und als Beilage gab es Krautsalat und Kartoffelsalat, echte Klassiker hier. Wir haben es geliebt!

Wir beendeten unseren Tag mit einer langen Rückfahrt und einem Zwischenstopp bei Bass Pro Shop und Buc-ee’s. Ich denke, die beiden sind Pflichtbesuche in den USA. Im Bass Pro Shop haben wir mit einem Verkäufer aus der Waffenabteilung gesprochen. Wir konnten echte Waffen in die Hand nehmen und haben uns ein bisschen über die Gesetze in den USA unterhalten.

„A well regulated Militia, being necessary to the security of a free State, the right of the people to keep and bear Arms, shall not be infringed.“ – The Second Amendment to the U.S. Constitution states

Das heißt übersetzt soviel, wie: „Da eine gut regulierte Miliz für die Sicherheit eines freien Staates notwendig ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht verletzt werden.“ – Zweiter Zusatzartikel der US-Verfassung.

Aufgrund des zweiten Verfassungszusatzes darf jeder, der mindestens 18 Jahre alt ist, eine Waffe besitzen. In Kennesaw gibt es sogar ein Gesetz, das besagt, dass jeder Haushalt mindestens eine Waffe besitzen muss. Langwaffen kann man ab 18 Jahren und Handfeuerwaffen ab 21 Jahren kaufen.

Thrifting und Golf

Am Sonntag waren wir auf einer Thrifting-Messe. Sie ist eine der größten in Georgia. Thrifting, also das Einkaufen von Secondhand-Waren, ist in den Vereinigten Staaten ein bedeutender kultureller Trend, vor allem bei den jüngeren Generationen. Er wird durch Faktoren wie Nachhaltigker, dem Wunsch nach Individualität und der Sparsamkeit geprägt. Die Kleidung dort ist ganz anders als beim Thrifting in Deutschland. Hier kann man Stücke finden, die wirklich Vintage sind. Sie sind aber meist teurer. In Deutschland habe ich die Erfahrung gemacht, dass auf Trödelmärkten viele Leute einfach nur ihre alten Klamotten loswerden wollen.

Danach sind wir zum Topgolf. Das hat richtig Spaß gemacht. Man kann einfach stundenlang einen Golfball nach dem anderen abschlagen. Wir haben zum ersten Mal Golf gespielt, aber wir sind richtig schnell reingekommen.

Welche Lehren habe ich daraus gezogen?

Das Reisewochenende im Rahmen unseres Stipendienprogramms der Joachim Herz Stiftung war eine tolle Gelegenheit, mehr über die Kultur der USA zu erfahren. Die USA haben einige gut geschützte Nationalparks, die auf jeden Fall einen Besuch wert sind. Pigeon Forge ist eine verrückte Ansammlung von Vergnügungsaktivitäten für die ganze Familie. Ich habe auch mehr über den zweiten Verfassungszusatz und die aktuellen Gesetze für das Tragen und den Kauf einer Waffe gelernt. Das gibt mir manchmal schon etwas zu denken. Im Allgemeinen habe ich festgestellt, dass es in den USA einen großen Unterschied in Bezug auf die Nachhaltigkeit gibt. Vor allem die jüngere Generation ist mehr auf dieses Thema fokussiert, mit Dingen wie dem kulturellen Trend zum Thrifting. Auf dem Land braucht man einen Truck, der für holprige Straßen geeignet ist. Die Entfernungen, die man mit dem Auto zurücklegen muss, sind auch viel größer. Diese Autos sind oft größer und verbrauchen viel mehr Benzin. Auch die täglichen Einkäufe sind im Vergleich zu Deutschland teurer. Meiner Meinung nach ist es viel einfacher, in Deutschland nachhaltig zu leben.

Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich diese Chance bekommen habe!

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