Liebe Leser*innen,
mein Name ist Marie und ich bin 20 Jahre alt. Ich absolviere meine Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau bei der Messe München. Meine aktuelle Abteilung ist das International Congress Center der Messe München (ICM). Die Messe München gehört zu den weltweit führenden Messeveranstaltern und bietet ein breites Portfolio an Fachmessen, Kongressen und Veranstaltungen. Wir hosten 11 Weltleitmessen, darunter beispielsweise die BAUMA.
Durch die Joachim Herz Stiftung habe ich die Möglichkeit bekommen, einen sechswöchigen Auslandsaufenthalt an der Kennesaw State University (KSU) in der Nähe von Atlanta zu absolvieren.
Die KSU ist die drittgrößte Universität in Georgia mit ca. 45.000 eingeschriebenen Studenten. Sie bietet unterschiedlichste Kurse zu unterschiedlichsten Fachrichtungen an. Während meinem Aufenthalt an der KSU darf ich an einigen dieser Kurse teilnehmen.
Näher eingehen möchte ich hier auf das interkulturelle Training, das wir zweimal wöchentlich verpflichtend besuchen. Dieser Kurs vergleicht die deutsche mit der amerikanischen Kultur. Diese Woche haben wir Präsentation zu unterschiedlichen Themen angehört, z. B. über das deutsche Bier oder Basketball in den USA. Gemeinsam mit meinen Gruppenmitgliedern haben wir uns über den Atlanta Botanical Garden informiert und eine erfolgreiche Präsentation gehalten.
Außerdem konnten wir spannende Einblicke bei der Ratssitzung der Stadt Kennesaw erhalten. Die Ratssitzung hat den Einwohner*innen von Kennesaw die Möglichkeit geboten, ihre Belange an den Bürgermeister und seinen Rat zu richten, welche über die angesprochenen Themen beraten und entscheiden. Besonders im Kopf geblieben ist mir ein Mann, der über eine private Angelegenheit geklagt hatte: Er hat in seinem Garten ein kleines Häuschen, dass er als Airbnb vermietet hat. Das daraus erwirtschaftete Geld macht neben seinen zwei Jobs einen großen Teil seines Einkommens aus, von dem er Rechnungen, die aufgrund seiner Verletzungen und der Erkrankung seiner Mutter anfallen, bezahlen muss. Die Stadt Kennesaw hat das herausgefunden und ihm aufgrund von bestimmten Auflagen verboten, das Airbnb weiterhin zu vermieten. Der Mann meinte, er habe im Vorhinein extra bei der Stadt angerufen und wichtige Auflagen erfragt. Auf seine Anklage hin reagierte der Rat unbeeindruckt und gab ihm eine Telefonnummer vom Amt, das über diese Auflagen bestimmt. Damit der der Fall für sie geklärt. Erst habe ich mich über die schnelle und einfache Reaktion gewundert, später beim Gespräch mit dem Bürgermeister entgegnete dieser, dass dies eine Aufgabe außerhalb seines Aufgabenbereiches ist und er daher nicht darüber entscheiden darf. Wäre das Vorgehen in Deutschland anders? Leider haben wir nicht erfahren, wie der Fall schlussendlich ausging.
Beim Gespräch mit dem Bürgermeister von Kennesaw haben wir auch kritische Fragen gestellt: Warum hat Kennesaw ein Gesetz, das besagt, dass jeder Haushalt eine Waffe besitzen MUSS? „Safety“ – das ist hier in Kennesaw immer die Begründung. Sicherheit oder Kultur stecken hinter der Waffenverherrlichung hier. Der Bürgermeister nannte uns zur Veranschaulichung ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Einbrecher. Sie wissen, dass in Kennesaw jeder Haushalt dazu verpflichtet ist, eine Waffe zu besitzen. Entscheiden Sie sich dafür, in Kennesaw einzubrechen oder in der nächsten Stadt? Ein sehr einprägsames Beispiel finde ich…Ich habe ihn gefragt, warum nicht mehrere Städte dem Beispiel von Kennesaw folgen und den Waffenbesitz verpflichten, wenn es die Einwohner*innen von Kennesaw so gut beschützt. Er meinte, weil die Politik in Kennesaw der der anderen Städte weit voraus ist.

Diese Aussage und das Treffen mussten wir alle erst Mal verdauen. Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich Menschen aus unterschiedlichen Kulturen auf bestimmte Themen reagieren. Das fällt mir hier immer wieder auf. Wie an diesem Tag, hatte ich auch am nächsten einen Kulturschock…aber einen der anderen, beeindruckenden Art…
…und zwar im bunten, lauten, faszinierenden und beeindruckendem New York!! Was für eine wahnsinnige Stadt! An unserem Reisewochenende sind einige Azubis – darunter ich – in die Stadt, die niemals schläft gereist. Drei Tage New York – und am Besten ALLES angucken…challenge accepted!
Wir haben unglaublich viele Orte an diesem Wochenende angeschaut: Wir waren im Central Park spazieren und haben dort das Belvedere Schloss angeschaut, waren in einem kleines, niedlichen Buch- und Plattenladen (einer meiner Favoriten), auf dem Empire State Building, bei der Central Station, bei den Memorials von den Twin Towers, auf der Brooklyn Bridge und im Summit. Letzteres gehörte für mich definitiv zu den Favoriten!

Auf zwei Attraktionen möchte ich gerne noch genauer eingehen:
Einer der beiden ist der Time Square. Als wir aus der U-Bahn-Station rausgelaufenen sind, war es noch hell und ich war fast ein bisschen enttäuscht…aber je dunkler es wurde, desto beeindruckter war ich! Bei völliger Dunkelheit ist der Time Square so faszinierend und hinterlässt einen bleibenden Eindruck! Die bunten Lichter der Werbungen, der Mond, der hinter den Hochhäusern hindurchblitzt, die laute Musik und die tanzenden und rufenden Straßenkünstler, die vielen verschiedenen Sprachen und Kulturen, die aufeinandertreffen – all das versprüht einen einzigartigen Charme! Diesen Moment habe ich sehr genossen und versucht, ihn ganz lange festzuhalten und aufzunehmen, um ihn später mitnehmen und nachfühlen zu können!

Auch spannend ist die New Yorker High Line. Ein kleiner grüner Fleck in der tagsüber grauen Betonstadt zum Zurückziehen, der sich durch hohe Wohnhäuser von Einheimischen schlängelt. Kaum Touristen befinden sich auf der 2,6 km langen Strecke. Ein guter Ort, um Luft zu holen und die vielen neuen Eindrücke zu verdauen. Die historischen Hintergründe der High Line gehen auf die Jahre 1929 – 1934 zurück, in denen sie erbaut wurde. Sie diente vor allem dem Transport von Gütern der dort angesiedelten Fabriken und Fleischwaren der Fleischereibetrieben. Da die Nachfrage nach Schienenanschlüssen in den 1950ern auf Grund des besser ausgebauten Highway Netzes (=LKWs) stark stagnierte, wurde die High Line in den Jahren 2006 – 2023 in eine Parkanlage – den High Line Park – umgebaut.

Ich bin dankbar, für all die neuen Eindrücke, die ich in New York und in Kennesaw/Atlanta bis jetzt sammeln durfte und freue mich auf die vielen weiteren, die mich in den nächsten Wochen erwarten! Ich bin dankbar für die Chance, ein Teil von diesem tollen Programm sein zu dürfen und so liebe Menschen um mich zu haben!! Danke an Euch, ihr seid diejenigen, die dieses Stipendium so einzigartig und schön machen!!
