Liebe Leser*innen,
heute möchte ich ein wenig über meine Erfahrungen und Erlebnisse in den Vereinigten Staaten von Amerika berichten.
Doch bevor ich damit anfange, möchte ich mich kurz vorstellen:
Mein Name ist Josephine Hoppe, ich bin 22 Jahre alt und wohne in der schönen Hafenmetropole Hamburg. Im August 2021 habe ich meine Ausbildung zur Kauffrau im Groß- und Außenhandelsmanagement bei UROMED begonnen. Momentan befinde ich mich im dritten und somit letzten Ausbildungsjahr.
UROMED wurde 1967 von Kurt Drews und seiner Frau Margot Drews gegründet und ist bis heute ein Familienunternehmen. Unser Fachgebiet sind urologische Medizinprodukte und ableitende Inkontinenzhilfen. In den vergangenen 50 Jahren hat sich UROMED einen Namen als Spezialist in der Urologie gemacht. Innovation und fachliche Kompetenz haben dazu beigetragen. Ich freue mich sehr, dass mein Unternehmen mich bei der Teilnahme am Programm der Joachim Herz Stiftung tatkräftig unterstützt hat.
Der sechswöchige Auslandsaufenthalt an der Kennesaw State University in der Nähe von Atlanta hat für mich und die anderen Stipendiat*innen am 14. März begonnen und seitdem besuchen wir neben dem “Intensiv English Program” und dem “Intercultural Training” verschiedene Wahlpflichtkurse.
Ich möchte nun näher auf den Kurs eingehen, der mir am besten gefällt. Der Kurs “Introduction to Health Science and Proffession” bei Herrn Kaufman, den ich immer dienstags besuche, ist für mich absolut interessant, da er auch gut zu meinem Beruf passt.
Im Folgenden möchte ich eine Unterrichtssituation schildern, die mir lange im Gedächtnis geblieben ist:
Uns als Klasse wurde das Beispiel gegeben, über eine Impfung für Kinder zu entscheiden und wir wurden aufgefordert unsere Meinung zu äußern, in dem wir uns auf das jeweilige Feld im Klassenzimmer positionieren.
Das waren die Optionen:
Option 1: Sie können 750 Kinder impfen, nach der Impfung sind 700 Kinder geschützt, aber 1 Kind wird schwer geschädigt sein (Körperliche Behinderung).
Option 2: Sie können 300 Kinder impfen, kein Kind wird schwer geschädigt, aber 700 Kinder bleiben ungeimpft und damit ungeschützt.
Option 3: Ich bin mir nicht sicher.
“Wie soll ich mich entscheiden?” waren meine ersten Gedanken dazu. Nachdem sich alle ihrer Meinung zugeordnet haben, fingen wir an zu diskutieren.
Dazu möchte ich noch erwähnen, dass die Studierenden von der Alterspanne weit auseinander liegen, es geht von „19-jähriger zuhausewohnender Student“ bis „41-jähriger Familienvater“.
Viele Meinungen wurden geäußert, die folgende hat mich nachdenklich gemacht:
„Ein Leben zu opfern, indem das Kind schwerbehindert wird, um 700 Leben zu retten, ist ethisch vertretbar“.
Herr Kaufman fragte den Studenten, ob das auch seine Meinung wäre, wenn es sein Kind wäre, das schwerbehindert werden würde.
Es herrschte stille, denn alle warteten gespannt auf die Antwort.
Nach 15 Sekunden kam “Nein dann nicht.”
Ich persönlich habe mich für „unsicher“ entschieden, weil ich der Meinung bin, dass noch viel mehr Informationen benötigt werden, z.B. wie hoch die Sterblichkeitsrate bei dieser Krankheit ist, wie hoch die Infektionsrate ist und wie schnell sich die Krankheit ausbreitet. Auch die Dauer der Immunität und der Krankheitsverlauf bei ungeimpften Kindern sind wichtige Faktoren, die man nicht außer Acht lassen sollte.
Die Schlussfolgerung der Klasse war die gleiche wie meine: je mehr Informationen, desto besser. Dennoch ist es eine sehr schwierige Situation, eine solche Entscheidung treffen zu müssen. Herr Kaufman sagte am Ende des Kurses, sein Ziel sei es, uns ein Gefühl dafür zu geben, wie unglaublich schwierig es ist, Entscheidungen in der Medizin zu treffen.
Meine Schlussfolgerung möchte ich mit folgendem Vergleich erläutern:
Die Medizin ist wie das Navigieren auf stürmischer See. Um den richtigen Kurs zu finden, muss man die Daten sorgfältig auswerten und alle aufkommenden Stürme einkalkulieren, um die Patienten ohne Nebenwirkungen an das gewünschte Ziel zu bringen. Die Wellen, die sich am Ufer brechen, zeigen manchmal erst im Nachhinein, was alles mitgespült wurde.
Durch den IHS-Kurs bei Herrn Kaufman habe ich schon viel mitgenommen. Ich freue mich auf die weiteren Kursstunden bis zu meiner Abreise.
Zum Schluss möchte ich noch auf persönliche Highlights eingehen, die ich während meiner Zeit hier in den USA erlebt habe.
Am Ostersonntag haben wir gemeinsam mit Joshua und seinem Freund Noah die Jonesboro Kirche besucht.
Das war der schönste Gottesdienst, an dem ich bisher teilgenommen habe. Der Chor in Kombination mit dem Orchester war faszinierend und die Lieder waren sehr bewegend. Die ganze Atmosphäre war einfach unbeschreiblich.

Das andere Highlight war das Wochenende in New York. Wir waren das berühmte Empire State Building besuchen. Ich konnte die ganze Skyline sehen, das war so cool.

Diese Erfahrungen werden mir immer in Erinnerung bleiben. Aber was ich in meinem Herzen trage, sind die Menschen, die ich hier kennen gelernt habe. Lily, Allen und Paige und all die anderen! Wir haben lustige Abende verbracht und es haben sich so tolle Freundschaften entwickelt. Wenn ich über den Sinn des Lebens nachdenke, komme ich immer wieder zu dem gleichen Schluss. Es sind die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Erfahrungen und Meinungen, die man miteinander teilt, die für mich persönlich etwas ganz Wertvolles und Einzigartiges sind und zum Sinn des Lebens gehören.
