Mein Name ist Jonas, ich bin 23 Jahre alt und befinde mich in der Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker. Die folgenden Eindrücke beruhen auf meinen persönlichen Erfahrungen und können künftigen Teilnehmenden als Orientierung dienen – natürlich vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen des Programms bleiben im Wesentlichen bestehen.
Der erste offizielle Schritt war ein Vorbereitungstreffen im Dezember 2024, bei dem sich die gesamte Reisegruppe erstmals persönlich begegnete. Zum ersten mal war die gruppe Vollständigkeit zusammen gekommmen trotzdem , blieb die Stimmung zunächst zurückhaltend – was angesichts der noch fremden Situation nur natürlich ist. Besonders spannend war es, im Verlauf der sechs Wochen zu beobachten, wie sich die Gruppendynamik entwickelte: Nicht selten entstanden engere Kontakte zu Personen, mit denen man anfangs kaum sprach. Mein Rat an künftige Teilnehmende lautet daher Offen zu bleiben, keine vorschnellen Bindungen eingehen und Gelegenheiten nutzen, neue Bekanntschaften entstehen zu lassen- Stichwort Networking.

Schon bei diesem Treffen zeichnete sich ab, wie die Zimmeraufteilung aussehen würde. Teilweise konnten Wünsche geäußert werden, doch im Alltag spielte die konkrete Einteilung kaum eine Rolle. Die Unterkünfte waren so gestaltet, dass man mit allen regelmäßig in Kontakt kam – sei es im Unterricht, bei Ausflügen oder in der Freizeit im Hotel. Insgesamt herrschte eine sehr angenehme und unkomplizierte Atmosphäre.
Unterschätzt hatte ich das Thema Kofferpacken. Ich machte mir viele Gedanken darüber, was ich mitnehmen sollte, und packte schlussendlich deutlich zu viel ein. Mein klarer Tipp: Plant für etwa sieben Tage für warm und kalt, ordentliche Klamotten für Firmenbesuche, aber lasst unbedingt Raum für Spontankäufe vor Ort – sei es Kleidung oder andere Kleinigkeiten. Ihr werdet mit absoluter Sicherheit was kaufen. Auf dem Rückflug wurde es bei vielen eng, und nicht wenige kämpften mit Übergewicht das ins Geld geht oder beschädigten Koffern als der Reißverschluss riss. Hier haben sich Hartschalenkoffer als deutlich zuverlässiger erwiesen als Modelle aus Stoff.
Was ich im Vorfeld ebenfalls nicht bedacht hatte: In den USA enthält Leitungswasser oft Chlor – so auch unter der Dusche. Das führte bei mir und anderen schnell zu trockenen, strohigen Haaren. Wer empfindlich reagiert, sollte passende Pflegeprodukte wie Haaröl mitnehmen. Grundsätzlich war das Hotel jedoch gut ausgestattet mit Duschgel, Shampoo, Seife und ausreichend Handtücher waren vorhanden. Nur wer auf ganz bestimmte Marken oder Produkte Wert legt, sollte diese in Reisegröße mitnehmen – am besten nicht vollständig gefüllt, um sie bei Abreise vor Ort lassen zu können und gewicht zu sparen.
Nach unserer Ankunft war ich körperlich erschöpft – die Anreise war lang, und die Vielzahl an neuen Eindrücken wirkte überwältigend. Ich nutzte den ersten Abend zum Ankommen, Duschen und Einrichten. Die sanitären Einrichtungen unterschieden sich etwas vom Gewohnten: Beispielsweise ließ sich der Wasserdruck der Dusche nicht regulieren, sondern nur die Temperatur. Einen ausgeprägten Jetlag hatten ich beim Hinflug zum Glück nicht – vermutlich, weil ich zu beschäftigt war, all das Neue aufzunehmen.
Die Unterkunft selbst war ausgesprochen komfortabel. Jeder hatte ein eigenes großes Bett, das Zimmer wurde mit einer weiteren Person geteilt. Dazu gehörten ein eigenes Bad, eine kleine gemeinsame Küche sowie Wohnbereich. Die Ausstattung umfasste unter anderem einen Ofen mit Herd, eine Spülmaschine und Zugang zu Waschmaschinen im Gebäude. Besonders typisch amerikanisch: ein Müllhäcksler im Spülbecken – anfangs gewöhnungsbedürftig, später fast schon praktisch, an das Geräusch das er von dich gibt werd ich mich wohl nie gewöhnen.



Die Verpflegung war ebenfalls unkompliziert. Da Mietwagen imens teur sind, wurden wir häufig von den Peer-Buddys mitgenommen zu einkäufen in die Supermärkte. Beachte das es sinnvoll ist mehr wie eine Creditkarte zu haben oder zumindest Googlepay/Applepay etc. falls eine deaktivier wird (das ist passiert und war garnichtmal so gut). Restaurants oder Fastfood-Ketten wie Chick-fil-A und Panda Express findet man dort in der Nähe und kann man nur empfehlen. Eine besonders sinnvoll Option war die Mensa auf dem Campus, die als All-you-can-eat-Buffet mit großer Auswahl überzeugte. Praktisch: Pro Zimmer standen zwei Tupperdosen zur Verfügung, um sich auch Speisen für später mitzunehmen oder such sonst was vom Frühstück einzupacken um bei Ausflügen nicht plötzlich am Hungertot zu sterben.Das war öfters sehr knapp.



Vor dem Abflug hatte ich mir viele Gedanken über den Unterricht gemacht: Wo finde ich meine Kurse? Wie orientiere ich mich auf dem Campus? Diese Sorgen erwiesen sich schnell als unbegründet. Zu Beginn erhielten wir eine ausführliche Einführung, Lagepläne beider Standorte – Kennesaw und Marietta – sowie alle nötigen Informationen. Die meisten Kurse, etwa Englisch oder interkulturelles Training, fanden in Kennesaw statt. Technische Fächer für mich, wie Elektronik oder Statik wurden am Marietta-Campus unterrichtet, den man problemlos mit dem Bus erreichte. Lediglich zu Stoßzeiten dauerte die Fahrt etwas länger.




Inhaltlich bot der Unterricht viele neue Impulse. Ich lernte unter anderem die Grundlagen des Schweißens, der Statik, von Zug- und Druckkräften, Aerodynamik sowie neu Einblicke in die Elektrotechnik. Eine Umstellung waren die in den USA üblichen Maßeinheiten, an die man sich jedoch rasch gewöhnte. Prüfungen wurden von uns nicht verlangt mitzuschreiben – im Vordergrund standen aktive Teilnahme und inhaltliches Verständnis.




Eine echte Herausforderung stellte dagegen für mich die Internetverbindung dar. Mein Handy war nicht eSIM-fähig, weshalb ich im Vorfeld eine physische Travel-SIM besorgt hatte – die sich jedoch als unzuverlässig erwies und nie mehr als eine langsame „E“-Verbindung ermöglichte. Besonders problematisch war dies bei der Navigation. Mein Tipp: Wer die Möglichkeit hat, sollte eine lokale SIM-Karte direkt vor Ort erwerben oder – falls eSIM-fähig – über eine App buchen. Das ist in der Regel deutlich flexibler.
Darüber hinaus habe ich gelern das es von Vorteil ist, aktiv das Gespräch mit anderen Teilnehmenden zu suchen – auch wenn sie nicht dieselben Ausbildung haben. Ich war überrascht, wie viele berufliche Überschneidungen es trotz unterschiedlicher Branchen gab. Wenn ein Kurs besonders interessant erschien, konnte man unbürokratisch per E-Mail bei der jeweiligen Lehrkraft anfragen – das wurde sehr offen gehandhabt. Unsere Zugangsdaten zur Lernplattform sowie die Studierendenausweise erhielten wir direkt vor Ort. Letztere dienten auch als Fahrkarte für den Bus und ermöglichten den Zugang zum Universitäts-Fitnessstudio – einer modernen, übermäßig großzügig ausgestatteten Einrichtung, die deutlichst über dem Standard deutscher Gym’s liegt.

Für das freie Reise-Wochenende entschied ich mich für einen Trip nach New York – das Einzige, was ich im Vorfeld gebucht hatte. Warum gerade diese Stadt? Einheimische, mit denen ich ins Gespräch kam, meinten: „Jede amerikanische Stadt findest du in ähnlicher Form auch irgendwo in Europa – nur New York ist wirklich einzigartig.“ Und sie hatten recht. Die Stadt war faszinierend, riesig und unwirklich– leider zu dieser Jahreszeit auch ziemlich kalt. Dennoch hielten uns die Temperaturen nicht davon ab, viel zu sehen und gab uns noch ein grund auch Kleidung shoppen zu gehen.

Zurück in Kennesaw erwarteten mich noch einige persönliche Highlights. Als Autofan war das Tuning-Event „Coffe & Octane“ ein absolutes Muss – eine Veranstaltung mit unzähligen Sportwagen, darunter zahlreiche amerikanische V8’s. Daneben bot sich reichlich Freizeitgestaltung: vom Schwimmen im Uni-eigenen Gym über Einkäufe in Outlet-Stores und Second-Hand-Läden bis hin zu Aktivitäten, die man eher selten ausprobiert – wie beispielsweise Schießenzu gehen, teilweise organisiert über die Peer-Buddys. Sicherlich nicht für jeden geeignet, aber eine interessante Erfahrung.



Ein kleiner, aber hilfreicher Kulturtipp zum Schluss den man aber vielleicht schonmal gehört hat : Wenn in den USA jemand fragt „How are you?“, ist das meist nur eine Floskel zur Begrüßung – keine Einladung zu einem ausführlichen Gespräch. Generell erlebte ich die Amerikaner als offen, interessiert und hilfsbereit. Viele zeigten großes Interesse an Europa, einige sprachen sogar ein paar Worte Deutsch. Und was das eigene Englisch betrifft: Man findet schnell hinein – und zur Not hilft immer jemand aus der Gruppe weiter.
Rückblickend war dieser Aufenthalt für mich von unschätzbarem Wert. Ich konnte fachlich dazulernen, neue Freundschaften schließen und zahlreiche prägende Erfahrungen sammeln. Auch wenn es nun einiges nachzuholen gilt, was während meiner Abwesenheit in der Berufsschule behandelt wurde: Ich würde jederzeit wieder teilnehmen – und bin mir sicher, dass es nicht mein letzter Besuch in den USA gewesen sein wird.

